top of page

Erregungsstörungen oder Vaginismus? Sexuelle Dysfunktionen einfach erklärt



Sex ist etwas Wunderbares (!) – wenn es sich gut anfühlt.

Viele Menschen leiden unter sexuellen Dysfunktionen. Darüber zu sprechen, gilt als Tabu und ist für viele Betroffene schwierig. Ich versuche Dir in diesem Beitrag einiges über Probleme in Bezug auf Sex zu erzählen und möchte Dich ermutigen, Dir Hilfe zu suchen, falls Du betroffen bist.

Du bist nicht allein!


Erregungsstörungen

Von einer «Erregungsstörung» bei Frauen spricht man dann, wenn sie nicht mehr feucht werden können. In diesem Fall bleibt die physische Reaktion auf die Erregung aus. Das Gegenteil davon ist, wenn eine Frau zwar feucht ist, aber eigentlich nicht erregt. Hier fehlt die Erregung. Frauen reagieren grundsätzlich oft zuerst körperlich und dann steigert sich erst die Lust.


Beim Mann zeigt sich die Erregungsstörung in Form einer Erektionsstörung. Diese Dysfunktion kann durch Depressionen, Medikamente, Angst zu versagen oder Schamgefühlen entstehen. Weitere Ursachen für eine genitale Erregungsstörung sind Nervenschäden (z.B. durch Krebs, MS, Querschnittslähmung) oder Durchblutungsstörungen (z.B. durch Bestrahlung, Diabetes). Gerade die Durchblutung kann durch einen gesunden Lebensstil positiv beeinflusst werden.


Orgasmusstörungen

Der Austausch zwischen dem Gehirn und den Genitalorganen kann z.B. durch einen Nervenschaden gestört werden (z.B. durch eine Operation oder eine neurologische Krankheit). Auch die Balance in den Neurotransmittern kann verändert und damit der Transport der Hormone beeinträchtigt sein. Wenn jemand Mühe hat loszulassen, z.B. aufgrund einer Form von Inkontinenz oder wegen Schamgefühlen, kann ein Orgasmus ausbleiben.


Dyspareunie

Von einer Dyspareunie wird gesprochen, wenn Schmerzen beim Versuch oder während der vaginalen Penetration auftreten. Diese Schmerzen können entstehen, weil Du nicht feucht wirst, unter einer vaginale Infektion/Entzündung leidest, weil durch einen chirurgischen Eingriff anatomische Probleme entstehen oder weil deine Hormone nicht im Gleichgewicht sind. Wenn Du beispielsweise zu wenig Östrogen produzierst, kommt es zur Scheidentrockenheit und rauer Schleimhaut. Auch eine zu hohe Muskelspannung der Beckenbodenmuskulatur kann Schmerzen erzeugen.


Um diesem Problem entgegenzuwirken, kannst Du zwei Dinge versuchen:

  • Wenn Deine Lubrikation ausbleibt und Du nicht feucht wirst, versuche, Dir mehr Zeit zu lassen. Leg Deinen Fokus mehr auf die Stimulation und probiere Sex ohne Penetration aus.

  • Creme Deine Vulva regelmässig mit einer fettenden Salbe ein.

Vaginismus

Von Vaginismus spricht man, wenn sich Deine Beckenbodenmuskulatur unwillkürlich verkrampft, und der Penis nicht oder nur unter starken Schmerzen in die Vagina eindringen kann. Unter Umständen kann auch kein Tampon oder Finger eingeführt werden. Vaginismus kann in der Beckenbodenphysiotherapie behandelt werden.

Vestibulodynie

Wenn Du während mehr als drei Monaten Schmerzen beim Scheideneingang und den inneren Schamlippen hast sowie ein Brennen bei Berührungen verspürst, aber keine Infektion hast, wird von einer Vestibulodynie (PVD: Provoked vestibulodynia)gesprochen:

Die meisten PVD-Patientinnen haben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und beispielsweise beim Einführen eines Tampons. Oft können auch Schmerzen beim Tragen einer engen Hose oder beim Fahrradfahren auftreten. Manchen Frauen schmerzt auch der Orgasmus. Die Art des Schmerezs ist brennend, reissend, manchmal juckt es auch. Die betroffenen Frauen sind meistens jung und haben noch nicht geboren. Viele von ihnen haben allgemein eine sehr niedrige Schmerzschwelle der Haut, beispielsweise auch an den Armen. Bei Frauen, die die Antibabypille nehmen und vor ihrem 16. Lebensjahr damit angefangen haben, ist das Risiko für eine PVD erhöht.


Für die PVD gibt es drei Hauptursachen:

  1. Veränderte Sexuallogik durch Aufklärung, Medien. Oft fokussieren sich betroffene Frauen zu stark auf «männliche Sexualbedürfnisse» und schauen zu wenig auf ihre eigenen. Auch Unterschiede in der emotionalen Verfassung wie z.B. Stress/Depressionen können eine Ursache für Dyspareunien sein.

  2. Schleimhautinfektionen und Reizung der Schleimhaut

  3. Zu viel Spannung im Beckenboden)


Oder:

Behandlung von PVD

Wichtig ist, dass Du Dir viel Zeit nimmst, wenn du von einer PVD betroffen bist. Lass Dir in der Beckenbodenphysiotherapie die Ursachen und die Pflege erklären. Dann wirst Du gemeinsam mit Deiner Beckenbodenphysiotherapeutin einen Behandlungsplan erstellen. Wichtig ist, dass Du ihr während des Prozesses Feedback gibst, damit die Behandlung allenfalls angepasst werden kann. Wenn Du soweit bist, kannst Du gerne auch Deinen Partner/Deine Partnerin mit in die Therapie bringen, damit gemeinsame Strategien angeschaut werden können. Beide PartnerInnen sollten diesen Rahmen akzeptieren, wodurch Unsicherheiten abgeschafft werden sollen.


Wie du diese Behandlung machst, ist wichtiger als was du machst!


Behandlungsstrategien

Schleimhaut:

  • Zuerst werden Vulvainfektionen behandelt oder vorgebeugt. Vorbeugende Hygienemassnahmen sind, keine Seife zu benutzen, keine Nylonunterwäsche zu tragen, genug zu trinken und Toilettenhygiene (bei bestehenden Schmerzen in der Vulva können diese bei stark konzentriertem Urin noch mehr provoziert werden). Lanolin-Creme eignet sich sehr gut zur Behandlung von trockener Schleimhaut. Du kannst diese 2x täglich auftragen. Selbstmassage kann die Schmerzen auch reduzieren.

Beckenboden:

  • In der Beckenbodenphysiotherapie lernst Du, deinen Beckenboden bewusst wahrzunehmen, ihn zu trainieren und gezielt an der Entspannung der Muskulatur zu arbeiten. Die Entspannung ist bei Schmerzproblematiken ein sehr wichtiger Punkt, da die Schmerzen durch eine erhöhte Muskelspannung verstärkt werden können. Die erhöhte Muskelspannung verhindert, dass die Lubrikation in die Vulva fliesst.

Sexualität und Beziehung:

  • Probiert Neues aus für einen lustvollen und aufregenden Sex ohne Penetration! Wichtig ist, dass Du mit Deinem Partner/Deiner Partnerin stets kommunizierst und Deine Bedürfnisse mitteilst. Zum Schutz der Schleimhaut sollte, solange der Schmerz vorhanden ist, kein Penis, kein Finger, keine Zunge und kein Sperma in die Vulva eindringen. Es kann sein, dass nach einer gewissen Zeit alles wieder in Ordnung ist und die Schmerzen verschwinden. Vorher solltest Du Dir aber Zeit nehmen und vorsichtig sein.

  • Wenn eine Frau regelmässig Sex hat, bleibt sie länger erregbar -> use it or lose it!

Emotionen:

  • Wenn es viele Dinge gibt, die Dich in Deinem Alltag stören oder sogar einschränken, versuche sie zu ändern oder zumindest einen gesunderen Umgang damit zu finden. Probiere allgemein viele verschiedene Entspannungsübungen aus, um Dein Stresslevel zu reduzieren und entspannter durch den Alltag zu gehen.

Wie Du in diesem Beitrag erfahren hast, stehen viele der oben genannten Beschwerden in Zusammenhang mit dem Beckenboden. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Du Dich traust, in der Beckenbodenphysiotherapie über Deine Beschwerden zu sprechen, damit diese direkt behandelt werden können.


Wenn Du weitere Fragen zu diesem Thema hast, darfst Du mir jederzeit schreiben!


Comments


bottom of page